Filmecke
  Die 1970er Jahre
 
Typisch für den Horrorfilm der frühen 1970er Jahre ist die Beschäftigung mit dem Okkultismus, etwa dem Phänomen des Exorzismus (Der Exorzist, 1973) oder der Wiedergeburt Satans, die sowohl in Roman Polańskis bereits 1967 gedrehtem Meisterwerk Rosemaries Baby wie auch in dem 1976 erschienenen Klassiker Das Omen im Zentrum der Handlung steht. Dario Argentos 1977 erschienener Suspiria, der sich durch eine besonders künstlerische Bildkomposition auszeichnet, handelt von Hexen, die sich dem Satan verschrieben haben. Wenig beachtet, da im selben Jahr veröffentlicht wie der Kassenschlager Der Exorzist, ist Nicolas Roegs psychologisch tiefes, surrealistisches Horror-Drama Wenn die Gondeln Trauer tragen (1973) mit Donald Sutherland und Julie Christie in den Hauptrollen, verfilmt nach der Erzählung Don’t Look Now (Dreh dich nicht um) von Daphne du Maurier. Mit Der weiße Hai begann 1975 auch der „Tierhorror“ populär zu werden. Von Hunden (Cujo, 1983) über Wölfe, Krokodile und Schlangen (Anaconda, 1997) bis hin zu Taranteln (Tarantula, 1955), Ameisen (Formicula, 1953; Phase IV, 1974), Nacktschnecken (Slugs, 1988) und Spinnen (Arachnophobia, 1990) war nahezu jede Tierart schon einmal als Bösewicht in einem Horrorfilmen vertreten.

1976 entstand mit dem Film Carrie – Des Satans jüngste Tochter eine weitere Nische innerhalb des Genres. Wurden bis in die 70er Jahre hinein meist Klassiker der Horrorliteratur verfilmt, so war Carrie die Verfilmung eines zeitgenössischen Schriftstellers. Stephen Kings Bücher waren seitdem immer wieder Quelle für zahlreiche Horrorfilme (zum Beispiel The Shining, 1980 oder Es, 1990), in den nächsten Jahren wurden auch andere Horrorbücher verfilmt (etwa Clive Barkers Buch Cabal, 1990). Meist scheiterten diese Filme jedoch an dem hohen Anspruch und der Detailfreudigkeit der Vorlage.

Bereits 1974 begründete Tobe Hooper mit dem brutal und wirkungsvoll inszenierten, obgleich auf sichtbare Bluteffekte verzichtenden Blutgericht in Texas (The Texas Chainsaw Massacre, auch: Das Kettensägenmassaker) einen ersten Vorläufer des Slasherfilms. Der Film handelt von einer Gruppe Jugendlicher, die in die Fänge einiger degenerierter, sadistischer und kannibalistisch veranlagter Rednecks gerät und der Reihe nach abgeschlachtet wird. Hoopers Werk zeichnet sich vor allem durch eine rasante und extrem subjektiv geprägte Kameraführung aus – sowie durch das minutenlange, markerschütternde Schreien der weiblichen Hauptdarstellerin auf der Flucht vor ihrem mit einer Motorsäge bewaffneten Mörder.

Die Figur des psychopathischen Schlächters wurde 1977 von Wes Craven in Hügel der blutigen Augen (The Hills Have Eyes) aufgegriffen – auch hier war die Handlung in der Wüste des amerikanischen Hinterlandes situiert. Anders als bei Texas Chainsaw Massacre ging die Gefahr hier jedoch nicht von einer einzelnen Psychopathen-Familie aus, sondern von der Bevölkerung eines ganzen Dorfes, die – arbeitslos und von den Behörden im Stich gelassen, womöglich noch radioaktiv verseucht – von grenzenlosem Hass auf die restliche Welt beseelt ist.

Das Subgenre des Slasher- oder Schlächter-Films wurde später vor allem von John Carpenters 1978 erschienenem Halloween – Die Nacht des Grauens geprägt. Das Muster des psychopathischen, sadistischen Serienmörders diente als Vorlage für eine ganze Reihe von Filmen und Filmserien wie Freitag der 13. (1980) oder A Nightmare on Elm Street (1984). Die Bösewichter dieser Slasherfilme, etwa der mit einer Krallenhand und einem rot-grünen Ringelpulli bewaffnete Freddy Krueger aus der Nightmare-Reihe, das psychopathische Heimkind Michael Myers mit seiner berühmten Gesichtsmaske aus der Halloween-Reihe oder der ebenfalls maskierte Jason Voorhees aus Freitag der 13. haben sich mittlerweile tief ins kollektive Gedächtnis der westlichen Kultur eingegraben. Insbesondere im Umfeld des Halloween-Festes sind entsprechende Verkleidungen im Handel und werden von „Fans“ zu diesem Anlass getragen.

Als eines der wichtigsten oder zumindest einflussreichsten Werke der an Horrorfilmen ohnehin reichen 70er gilt erneut ein Film von George A. Romero mit der Fortsetzung seines ersten Zombiefilms Nacht der lebenden Toten, dem 1978 erschienenen Dawn of the Dead (dt.: Zombie, auch Zombies im Kaufhaus). Die Handlung dreht sich um eine Gruppe von Überlebenden einer umfassenden Zombie-Epidemie, die sich in einem mit Waren angefüllten Einkaufszentrum verschanzen, um den menschenfressenden Zombies zu entkommen. Ließ sich bereits der Vorgänger, in dem Lynchjustiz und Rassismus thematisiert werden, als politisch engagiertes Werk interpretieren, so zeigt sich hier noch deutlicher der gesellschaftskritische Kontext der links geprägten 70er Jahre. Romero zeigt Zombies wie Menschen gleichermaßen als von Konsumwahn und blindem Materialismus getriebene Halbtote, wobei hier die Lage der Menschen gegenüber der Zombie-Epidemie bereits völlig aussichtslos ist, während in Nacht der lebenden Toten die Menschen am Ende noch die Oberhand behielten. Das Projekt der kapitalistischen Zivilisation erscheint letztendlich nicht mehr rettbar, was durch die Übernahme des Kaufhauses durch die Zombies am Ende symbolisiert wird.
 
   
 
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